Idee: Koldingcup 2026
Mit dem Gewinn des Koldingcups 2026 und einem überragenden Endspiel gegen den Bundesliga-Nachwuchs des Thüringer HC hat unsere weibliche D-Jugend erneut ein dickes Ausrufezeichen gesetzt.
Gerne wollen wir die „Geschichte“ des Dänemark-Erlebnisses komplett erzählen und damit beginnen, wie es überhaupt zu dieser Idee gekommen ist.
Entstanden ist der Plan nach den positiven Erfahrungen und dem Gewinn des internationalen Quirinus-Cups im vergangenen Jahr. Wurde diese noch quasi „vor der Haustüre“ ausgetragen, sollte es beim nächsten Mal ein internationales Turnier auf Spitzenniveau in weiterer Ferne sein.
Neben den zweifelsohne gegebenen sportlichen Reizen wird bei solchen Events auch das Team neben dem Platz geformt und Freundschaften mit anderen Vereinen geknüpft. So zumindest die Hoffnungen des Trainerteams.
Der in Dänemark ausgetragene Koldingcup 2026 wurde als Ziel auserkoren und den Eltern als Ziel-Event über Ostern 2026 mitgeteilt.
Anreise
Nach dem Gewinn der Mittelrheinmeisterschaft Ende März ging der Blick bei Spielern und Umfeld direkt gen Norden. Natürlich wollen so ein Turnier und die damit verbundenen Herausforderungen organisiert sein.
In verschiedenen Gruppen reisten die Mädels gemeinsam mit den Eltern an. Einige verbrachten bereits einen Urlaubstag davor in Hamburg als „Familientag“, andere machten in Dänemark vorher mit dem Wohnmobil Urlaub (was sich im Nachgang für die Elternschaft als sehr vorteilhaft erwiesen hat…). Ein Teil machte sich in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag auf den Weg in das Land, wo derzeit der beste Handball gespielt wurde.

Über die gegründete WhatsApp Gruppe waren bereits die ersten Eindrücke der Mädels zu sehen, die Vorfreude stieg enorm.
Treffpunkt war die große Sydbank-Arena in Kolding in der Mittagszeit. Wohl dem, der sich bei der Anreise an die Geschwindigkeitsvorgaben gehalten hat 😉.
Angekommen
Angekommen an und in der Sydbank-Arena ging es nach den ersten Willkommens-Umarmungen auf Entdeckungstour in der gigantischen Arena mit dem Fazit: „Hier dürfen wir spielen???“

Die Vorfreude bekam noch einmal einen enormen Push bei den Mädels und auch dem Trainerstab.
Letzterer nahm dann vor Ort die finale Anmeldung vor und wurde dabei sofort von anderen Trainern erkannt: „Seid ihr nicht die Truppe aus Weiden, der wir auf „Insta“ folgen?“ Es folgten der Austausch von Kontakten und erste interessante Gespräche „unter Handballern“.
Einrichtung
Vor der abendlichen Eröffnungsfeier galt es noch, sich vor Ort einzurichten. Die Mädels und ein Teil des Trainerteams sowie der Eltern bekamen einen Klassenraum in der Schule, ein Teil der Eltern sowie der Geschwisterkinder waren in Hotels in Kolding untergebracht.
Nachdem alles bezogen und eingerichtet war, ging es wieder in die Sydbank-Arena, um dort mit ganz vielen anderen Handballern zu Abend zu essen. Was für eine gigantische Organisation, für über 250 Mannschaften dies zu organisieren!
Die Rückmeldungen über das Essen waren durch die Bank positiv – na Gott sei Dank…

Außerhalb der Arena wurde für die Eltern um das Wohnmobil von Familie Meier-Sommia das „Basislager Elterntreffpunkt“ eingerichtet und sogleich das erste Kaltgetränk bei geselligem Austausch zu sich genommen.

Eröffnungsspiel und Eröffnungsfeier
Am Abend folgte dann ein Eröffnungsspiel der weiblichen und männlichen A-Jugend in der voll besetzten Arena, bei dem in Teilen sehr sehenswerter Handball gezeigt wurde. Die Lust darauf, selbst spielen und agieren zu dürfen, stieg minütlich an.
Die Eröffnungsfeier mit über 4.000 Teilnehmern und Eltern in der Arena setzte dann allem für diesen Abend die Krone auf. Eingestimmt durch einen DJ sowie sehr beeindruckende Licht-Momente wurden die teilnehmenden Nationen durch Einmarschieren der Landesfahnen unter frenetischem Applaus der Spieler begrüßt.

Der Adrenalin-Pegel hatte sein Maximum erreicht, was nicht gerade förderlich für eine gute Nachtruhe bei den Mädels sein sollte… Denn am kommenden Morgen ging es bereits sehr früh in das 30 Minuten entfernte „Fredericia Sportcenter“, um dort die Vorrunde auszutragen.
Exkurs: Dänische Hallen und Sportsystem
Apropos Fredericia Sportcenter & Sydbank-Arena. Wer die Doku um Juri Knorr gesehen hat und seine Berichterstattung über die Hallenkapazitäten in Dänemark, der konnte sich in den beiden Arenen und der unmittelbaren Umgebung ein Bild von dem machen, was Juri dort berichtete.
Im Fredericia Sportcenter gab es eine neben der Haupt-Arena weitere 5 (!!!) komplette Spielfelder, teilweise mit zusätzlichen Tribünen, auf denen Handball gespielt werden konnte. Zusätzlich beinhaltete der Gesamtkomplex zwei Fitness-Bereiche, die größer waren als unsere „Hölle West“, eine Box- und Athletik-Halle, ein Schwimmbad, Außenanlagen mit Beachhandball-Anlage, Tennis und Paddel-Anlage, u.v.m.
Wenn man sich fragt, warum der dänische Handball anderen Ländern in Teilen weit voraus ist, so liegt ein Grund auch an den vorhandenen Hallenkapazitäten und der Tatsache, dass diese stets zugänglich sind.
Alleine dies einmal zu sehen war mehr als beeindruckend. Vorbildlich, nachahmenswert!
Vorrunde
Nun begann auch sportlich das Turnier für unsere „jungen Ladies“. 13 Mädels waren bereit, ihr handballerisches Können unter Beweis zu stellen.
Im ersten Spiel gegen die HSG Nordau war den Mädels die extrem kurze Nacht sowie die Nervosität sichtbar anzumerken. Zwar war der Sieg nie gefährdet, doch die ein oder andere Unkonzentriertheit führte dazu, dass Nordau zu einigen für uns vermeidbaren Toren gekommen ist. Am Ende zeigte die Anzeigetafel nach 30 Minuten Spielzeit einen 28:17 Sieg, der Auftakt war ergebnistechnisch geglückt.
Nach einer gemeinsamen Besprechung der positiven Aspekte sowie der Potenziale aus dem Auftakt, folgte das zweite Spiel gegen die SG 09 Kirchhof. Die Senioren spielen dort in der 2. Bundesliga und über eine gute Jugendarbeit wird dort ebenfalls in den Nachwuchs investiert.
Technisch waren und sind die Mädels sehr gut ausgebildet, dies war schnell zu erkennen. Da viele Mädels aus Kirchhof jedoch jüngerer Jahrgang war, zeigte sich eine körperliche Unterlegenheit unserem Team gegenüber.
Unser Team machte es deutlich besser und konsequenter als in der ersten Partie. Die Abwehr stand sicher, gestützt auf zwei sehr gute Torhüterinnen. Schnelle Ballgewinne wurden über einen guten Tempogegenstoß in Tore umgesetzt.
Wie auch im ersten Spiel wurden die Spielanteile gleichmäßig verteilt, alle Mädels hatten die Möglichkeit, sich im Angriff und der Abwehr zu zeigen. Dies machten unsere „jungen Ladies“ wirklich gut mit der Folge, dass sich alle in die Torschützenliste eintragen konnten.
22:4 lautete das Endergebnis – übrigens die höchste Niederlage, die das wirklich gute Team aus Kirchhof im Laufe des Turniers erzielte. Somit war Platz 1 in der Vorrunde sicher, war eine gute Voraussetzung für die Zwischenrunde sein sollte.
Zwischenrunde
In dieser ging es noch am gleichen Tag am gleichen Ort gegen den SV Borger aus den Niederlanden. Wollten wir am nächsten Tag in der großen Sydbank-Arena spielen, so musste trotz zunehmender Müdigkeit ein Sieg her.

Nach intensivem Aufwärmen begannen unsere Mädels temporeich und zielstrebig. Stabile, Abwehr, gute Torhüter, schnelle Gegenstöße, gutes 1:1 Verhalten führten bei erneut gleich verteilten Spielanteilen zu einem finalen 35:10 für unser Team. Das Ticket für das Halbfinale war gebucht.
Juri Knorr
Völlig überraschend kam es dann noch zu einem Treffen mit einem deutschen Nationalspieler. Denn für den Abend war das Spiel von „Aalborg Handbold“ in der Arena mit Juri Knorr angesetzt.
Da sich unsere Mädels derweil bei der ausgiebigen Duschparty in der Umkleide befanden, nutzten unsere lieben „Handball-Muttis“ den kurzen Moment, ein Bild mit Juri zu machen – sehr zur eigenen Freude, was jedoch auch „Befindlichkeiten“ bei unseren Mädels führte 😉😉😉

Am Abend haben die „kleinen Mädels“ dann noch die „Players Night Disco“ besucht und konnten dort die Chance zum Tanzen und Netzwerken genutzt.
Halbfinale
Am nächsten Morgen stand dann in der nahe gelegenen Sydbank-Arena in der großen Halle das Halbfinale gegen die PSG Peine statt.
Unsere Gegner präsentierten sich am Vortag mit schnellen Konterspiel sowie einer guten Achse der Rückraum Mitte Aufbauspielerin und der Kreisläuferin. Dieses Zusammenspiel galt es für einen Einzug in das Finale zu verhindern.

Der Start in das Spiel glückte, die getroffenen Maßnahmen griffen gut, so dass schnell eine komfortable Führung erspiel werden konnte. Zwar war einigen Mädels die Müdigkeit aufgrund geringen Schlafes anzumerken, doch dafür sprangen andere ein und zeigten in Teilen sehr schönen Handballsport. Und genau dies zeichnet ein Team aus, welches in der Breite gut aufgestellt ist. Final war es ein 20:12 Sieg gegen ein gutes Team aus Peine, mit dem das Finale erreicht wurde.

Vor dem Finale
Es hatte sich abgezeichnet, dass im Endspiel entweder die sympathische und gut ausgebildete Mannschaft des SV Grün-Weiß Schwerin oder der Bundesliganachwuchs des HC Thüringen warten würde. Im Halbfinale setzte sich dann letztendlich der HC Thüringen auch aufgrund der körperlichen Überlegenheit durch.
In der Zeit bis zum Finale kam es dann zu intensiven Gesprächen und Kontakten zu anderen Vereinen, die über den Einsatz von Spielerinnen des Jahrgangs 2013 beim THC berichteten, obwohl die Ausschreibung das Jahr 2014 als älteste Kategorie vorschrieb.
Auf Nachfrage beim Veranstalter wurde eine Ausnahmeregel für den THC auf deren Anfrage hin bestätigt. Ob nun tatsächlich ältere Spielerinnen eingesetzt wurden, können und wollen wir nicht bewerten oder vermuten. An den Veranstalter sei jedoch der dringende Wunsch gerichtet, für alle Vereine gleiche Voraussetzungen zu schaffen und Transparenz zu leben. Den Unmut der unterlegenen Vereine können wir natürlich nachvollziehen.
Aus diesen Gesprächen entstanden erfreulicherweise Freundschaften und Sympathien zu anderen Vereinen und dies nicht nur unter den Sportlerinnen, sondern auch unter den jeweiligen Fanlagern, was sich später als sehr förderlich herausstellte.
Im Trainerteam lösten die Gespräche noch einmal eine extra Motivation aus, sportlich alles in die Waagschale zu werfen und sich von der besten Seite zu zeigen. Dass man dazu in der Lage ist, haben die Mädels bereits mehrfach in den letzten Jahren bewiesen.
In einer fokussierten Besprechung wurden die Mädels eingestimmt und eingestellt, das Aufwärmen konnte sowohl ausgiebiger als sonst üblich in der Halle durchgeführt werden. Alles war bereit…
Finalspiel
Über 60 (!) Zuschauer auf dem YouTube Kanal verschoben anscheinend den Oster-Mittagstisch, um sich das Spiel im Streaming anzusehen.
Die Halle war voll, andere Vereine, darunter vor allen Dingen unsere neuen Freunde aus Schwerin, haben sich unseren Fans angeschlossen und unsere Mädels lautstark unterstützt – WAHNSINN!
Von der ersten Sekunde an „brannte“ die Halle auf und neben dem Feld. Schnell gingen unsere „jungen Ladies“ in Führung, jedoch blieb der THC stets in Reichweite. Mehr als ein oder zwei Tore Vorsprung konnte zu Beginn nicht herausgespielt werden.
Gespielt wurde nach IHF-Regeln, was den Trainern auf beiden Seiten alle taktischen Optionen ermöglichte und auch genutzt wurde.
Gegen Ende der ersten Halbzeit wuchs der Vorsprung, gestützt auf eine kämpfende Abwehr, einer tollen Torwartleistung sowie sehenswerter Aktionen im Angriff auf 9:6.

Dass unsere Mädels mit Druck- und Endspielsituationen umgehen können, haben sie in den vergangenen Jahren bereits mehrfach bewiesen. Es wurde die nächste Stufe gezündet und der Vorsprung wuchs zwischenzeitlich auf 14:8 an – Ausnahmezustand auf den Rängen!
Mit einer unfassbaren Bereitschaft, den Kampf gegen körperlich starke und handballerisch gut ausgebildete Gegner anzunehmen, wuchsen unsere Mädels über sich hinaus und schafften das für viele nicht für möglich gehaltene („gegen die habt ihr keine Chance“ – Zitat): einen 20:14 Sieg gegen den Bundesliga-Nachwuchs des Thüringer HC.
Die Freude und der Jubel kannten auf und neben dem Platz keine Grenzen. Gänsehaut-Stimmung.

Bis heute wurde das Video vom Endspiel auf unserem Kanal 777-mal angesehen. Wir freuen uns sehr über diese Resonanz sowie die zahlreichen Glückwünsche in den Sozialen Medien.
Siegerehrung
Es folgte ein ausgiebiges Feiern auf dem Feld sowie im Rahmen der Dusch-Party in der Kabine. Mit der großen „Bum-Box“ ging es mit passender musikalischer Untermalung („Dorfkinder“) zum Basislager Wohnmobil, um dort gemeinsam zu feiern.
Da es bis zur Siegerehrung am Abend noch einige Zeit dauerte, wurde die Feier-Zeremonie entsprechend intensiviert… Auf jeden Fall wurde man dem Ruf der „Feierbiester“ wieder gerecht.
In der prall gefüllten Sydbank-Arena fand dann am Abend die Siegerehrung aller erfolgreichen Teams statt. Für die Mädels, die Trainer und die Eltern ein bewegender Moment, das kleine Handballdorf unter den Gewinnern zu sehen.

Fazit
Nein, es hätte besser vermutlich nicht laufen können – mit Ausnahme der kalten Temperaturen und des starken Windes im Rahmen der Wohnmobil-Feierlichkeiten.
Danke an die Mädels für Eure sportlichen Leistungen wie Euer Vertrauen und Zutrauen an und in das Trainerteam.
Danke an die Elternschaft für Eure Unterstützung auf und neben dem Feld. Ohne Euch wäre vieles nicht möglich. Zumal wir ja noch weitere Pläne haben…
Danke an Ela, nicht nur für die Begleitung in der Schule.
Danke an Luke, Teoman und Sophie für das Trommeln und das Tragen der Fahne.

Danke an Leo für das Streaming.
Danke auch an die Organisatoren des Koldingcups 2026 für Euren Einsatz. Mit der Ausnahme der sportlichen Sonderregel haben wir uns sehr wohl bei Euch gefühlt.
Danke an Familie Meier-Sommia für das „Basislager“ am Wohnmobil.
Sollten wir jemanden vergessen haben – SORRY, ein dickes Dankeschön an alle, die ihren Teil zum Gelingen dieser unvergessenen Reise beigetragen haben.
2027: Prag, wir kommen 😮🤔🤣

