…und einer zweiten Halbzeit, die Mut macht! So könnte man das Spiel beschreiben!

Mit viel Vorfreude, aber auch mit einer gehörigen Portion Ungewissheit ist die weibliche C2 des HC Weiden 2018 in die neue Saison gestartet. Denn für die Mannschaft beginnt in diesem Jahr nicht nur eine neue Spielzeit, sondern zugleich auch ein kleines Handball-Abenteuer: Als Team aus dem Handballkreis Aachen tritt die Weidener C2 erstmals im gemeinsamen Spielbetrieb mit den Mannschaften aus dem Handballkreis Mönchengladbach an. Auftrag,Herausforderung und Novum zugleich.
Hinzu kommt, dass die junge Mannschaft erst seit März in dieser Zusammensetzung gemeinsam trainiert und überwiegend aus Spielerinnen des jüngeren C-Jugend-Jahrgangs besteht. In der Sommerrunde und den Vorbereitungsspielen hatte das Team bereits mehrfach angedeutet, welches Potenzial in ihm steckt. Wie sich dieses Potenzial im neuen Ligabetrieb einordnen würde, war vor dem ersten Spiel allerdings nur schwer abzuschätzen.
Entsprechend nervös begann die Begegnung gegen den TV Korschenbroich. Dabei hielt Weiden in den ersten Minuten zunächst sehr ordentlich dagegen. Über 1:0, 2:2 und 3:3 entwickelte sich ein ausgeglichener Auftakt, ehe die körperlich deutlich robusteren Gäste zunehmend ihre Vorteile ausspielen konnten.
Vor allem in schnellen Eins-gegen-Eins-Situationen stellte Korschenbroich die noch etwas nervös agierende Weidener Deckung immer wieder vor Probleme. Gleichzeitig hatte der HC im eigenen Angriff Schwierigkeiten, gegen die kompakte und körperlich starke Gästeabwehr die notwendige Durchschlagskraft zu entwickeln. Trotzdem blieb Weiden zunächst in Kontakt und lag nach gut 18 Minuten lediglich mit 8:12 zurück.
Dann folgte allerdings die Phase, die das Ergebnis letztlich entscheidend prägte. Korschenbroich nutzte Unsicherheiten und Ballverluste konsequent, während Weiden offensiv kaum noch zu klaren Abschlüssen kam. Aus dem 8:12 wurde innerhalb weniger Minuten ein 8:19. Erst unmittelbar vor der Pause gelang Rosalie Michalski noch das 9:19.
Mit entsprechend langen Gesichtern ging es in die Kabine. Dort wurde die erste Halbzeit durchaus deutlich angesprochen.
Vor allem aber nahm sich die Mannschaft vor, unabhängig vom Spielstand in den zweiten 25 Minuten ein anderes Gesicht zu zeigen. Und genau das tat sie. Weiden kam deutlich mutiger, entschlossener und kämpferischer aus der Pause. Die Mädchen verteidigten engagierter, fanden offensiv häufiger Lösungen und zeigten plötzlich, dass sie mit den körperlich überlegenen Gästen durchaus mithalten konnten. Julia Otten traf gleich mehrfach, Rosalie Michalski setzte wichtige Akzente und auch Ioana-Adelina Rica sowie Emilie Sommer trugen sich in dieser Phase in die Torschützenliste ein.
Das vielleicht wichtigste Ergebnis des Tages stand deshalb nicht ganz oben auf der Anzeigetafel: Die zweite Halbzeit gewann der HC Weiden tatsächlich mit 12:11. Das 21:30-Endergebnis fiel damit deutlicher aus, als es der Verlauf der zweiten Hälfte vermuten ließ. Gleichzeitig zeigte die Partie aber auch sehr klar, woran die junge Mannschaft in den kommenden Wochen arbeiten muss. Zu viele technische Fehler und einige vermeidbare Fehlwürfe verhinderten ein noch besseres Ergebnis.
Offensiv übernahm besonders Julia Otten Verantwortung. Mit sieben Treffern, darunter drei sicher verwandelten Siebenmetern, war sie erfolgreichste Weidener Torschützin. Rosalie Michalski folgte mit sechs Toren, Emilie Sommer steuerte drei Treffer bei. Insgesamt konnten sich sieben Weidener Spielerinnen in die Torschützenliste eintragen – ebenfalls ein schönes Zeichen dafür, dass die Verantwortung nicht nur auf wenigen Schultern liegt.
Und das letzte Wort des Spiels gehörte sogar noch einmal dem HC: Isabell Gier erzielte kurz vor Schluss den Treffer zum 21:30. Manchmal ist es ja ganz angenehm, wenigstens das letzte Tor mit nach Hause zu nehmen. Am verdienten Sieg des TV Korschenbroich gab es allerdings nichts zu deuteln. Die Gäste präsentierten sich körperlich stark, spielerisch abgeklärt und dürften nach diesem Eindruck sicherlich zu den Mannschaften gehören, die sich im oberen Bereich der Liga wiederfinden können.
Bemerkenswert war dabei die Atmosphäre der gesamten Begegnung. Trotz der körperlich intensiven Spielweise blieb die Partie ausgesprochen fair und wurde von beiden Mannschaften sowie den Zuschauern mit einer sehr guten Stimmung begleitet. Damit war es unabhängig vom Ergebnis ein gelungener Auftakt in die neue Saison.
Für die Weidener C2 bleibt vor allem eine Erkenntnis: Diese Mannschaft kann lernen – und sie kann sich sogar innerhalb eines Spiels sichtbar entwickeln. Nach einer schwierigen ersten Halbzeit nicht auseinanderzufallen, sondern die zweite Hälfte gegen einen starken Gegner zu gewinnen, ist für eine junge Mannschaft vielleicht die wertvollere Botschaft als ein schöneres Endergebnis.
Die Saison hat gerade erst begonnen. Und wenn die ersten 50 Minuten ein Hinweis darauf sind, was in den nächsten Monaten noch möglich ist, dürfte es sich lohnen, bei dieser Mannschaft ganz genau hinzuschauen. Denn manchmal beginnt Entwicklung nicht mit einem Sieg – sondern mit einer Halbzeit, in der man plötzlich merkt: Wir können hier mithalten.

