(18.04.2026) Eigentlich hatten Spieler und Verantwortliche des BTB Aachen gehofft, beim Anpfiff des Handball-Nordrheinliga-Derbys am kommenden Samstag beim HC Weiden (19.45, Halle Parkstraße, Würselen) nicht auf einem Abstiegsplatz zu stehen. Durch die Niederlage am vergangenen Samstag gegen die HSG Refrath/Hand, gegen die der BTB Einspruch eingelegt hat, stehen die „Bandits“ aber genau da, punktgleich mit Borussia Mönchengladbach, das auf dem ersten Nichtabstiegsplatz steht, und zwei Punkte hinter dem SSV Nümbrecht. Aufgegeben hat der BTB sich noch nicht, aber die Situation ist schwierig.
Tägliche Telefonate
„Solche Spiele müssen wir gewinnen“, sagt Ralf Klinkenberg, erster Vorsitzender des BTB, über das verlorene Match gegen die qualitativ nicht allzu weit entfernten Refrather. „Wir haben keine leichten Spiele mehr“, sagt der Mann, der die Handballabteilung leitet und nach eigener Auskunft fünf Spieltage vor Schluss quasi täglich mit dem Sportlichen Leiter des BTB, Jan Deutz, telefoniert.
Ein Trainerwechsel stand trotz der bedrohlichen Lage nicht zur Diskussion. Der BTB will mit Simon Breuer-Herzog, der am Saisonende den Trainerstuhl räumt, das Ziel Klassenerhalt erreichen. „Wir versuchen alles, um uns noch zu retten“, gibt sich Klinkenberg kämpferisch.
Dass das Spiel und die Ereignisse vom vergangenen Spieltag „nachhängen“, bestätigt Simon Breuer-Herzog, Trainer des BTB Aachen. „Ich habe ja auch schon eine Menge mitgemacht, aber das war schon schlimm“, sagt der Coach rückblickend. Die Mannschaft habe gegen Refrath/Hand viel investiert, aber in den beiden letzten Situationen „ist einfach alles gegen uns gelaufen“. Der Wurf von Carsten Jacobs hätte reingehen können. Oder vom Torwart woanders hin abprallen, anstatt direkt dem eigenen Spieler in die Hände, der dann noch den Gegenstoß einleiten konnte. Auch hätten die Schiedsrichter Jacobs einen Siebenmeter oder zumindest einen Freiwurf zusprechen können, und auch das Foul zum Siebenmeter für Refrath ganz am Schluss bleibt umstritten.
Eines wird sich im Vergleich zum Spiel gegen Refrath/Hand sicher ändern: Der Trainer Simon Breuer-Herzog wird nicht selber auf der Platte dabei sein. Er ist beim Derby gar nicht in der Halle, weil er mit seinem Sohn Erstkommunion feiert. Vertreten wird ihn ein prominenter Handballtrainer: Andreas Heckhausen. Er hat schon für Weiden und BTB als Trainer gearbeitet, leitet bei den Aachenern derzeit die weibliche A-Jugend an und ist Sportlicher Leiter der Abteilung Mädchenhandball.
Dass Breuer-Herzog gegen Refrath/Hand spielte, war der kritischen Personalsituation geschuldet, könnte aber in den letzten Partien noch mal vorkommen. „Wir haben in unseren Analysen gewisse Unsicherheiten und Fehler sowie fehlende Ruhe ausgemacht. Ich habe mit dem Mannschaftsrat und mit meinen Trainerkollegen gesprochen und wir sind dann zum Entschluss gekommen, dass ich dem Team helfen kann.“ Zuvor hatte der Coach ein paar Mal mittrainiert, um wieder reinzukommen.
In Weiden fehlt der Trainer, aber er hat die Mannschaft auf das Derby und die zu erwartende hitzige Atmosphäre vorbereitet. „Es ist völlig egal, wo wir etwas Zählbares holen, wir müssen am Ende nur einen Punkt mehr als Mönchengladbach oder Nümbrecht haben“, sagt er und hofft natürlich auf ein Erfolgserlebnis beim HC.
Entspannter als im Aachener Gillesbachtal ist die Situation in Weiden. Trainer Marc Schlingensief ist voller Vorfreude. „Die Woche vor dem Derby ist schon immer sehr spannend.“ Seine Spieler seien dann noch fokussierter und wollten am Samstag unbedingt zwei Punkte in der „Hölle West“ behalten. Nach Platz drei am Ende der Vorsaison schielt der HC als Sechster noch auf diesen Rang. Platz zwei wäre noch schöner und dann auch das beste Ergebnis für eine Weidener Herrenmannschaft seit Regionalliga-Zugehörigkeit.
Die Frauen des HC haben es vorgemacht. Sie haben am vergangenen Spieltag die Vizemeisterschaft eingefahren. Das ist Ansporn für die männlichen Kollegen, die aktuell drei Punkte vom zweiten Tabellenplatz trennen, es ihnen nachzumachen.
Sven Xhonneux ist nicht dabei
Natürlich sind sich die Weidener bewusst, dass der BTB mit dem Rücken zur Wand steht. „Aber wir haben kein Mitleid“, sagt Schlingensief. Er schiebt aber gleich hinterher, dass es natürlich schön wäre, wenn die „Bandits“ die Klasse halten würden. Dafür hätten sie ja dann noch vier Spiele.
Personell kann Marc Schlingensief bei der Partie gegen den BTB nicht aus dem Vollen schöpfen. Zwar kehrt Jan Stolzenberg nach Sehnenriss im Finger und längerer Verletzungspause zurück. Dafür wird aber Sven Xhonneux wegen einer Schulterblessur fehlen.
BTB hat drittbeste Defensive
Dass das Spiel gegen den BTB, den die Weidener im Hinspiel 35:29 besiegten, kein Selbstläufer wird – darauf weist Schlingensief vehement hin. Immerhin habe der BTB in der Liga die drittwenigsten Tore kassiert. „Sie stehen immer gut gestaffelt, aber sie machen dann zu wenig draus“, sagt der HC-Trainer, der für seine Mannschaft die Kernaufgabe darin sieht, sich von der dynamischen, möglicherweise offenen Verteidigung der Gäste nicht beirren zu lassen.
(Text: AZ)
