Herren Regionalliga: HC Weiden I – BTB Aachen 34:29 (17:14)

(20.04.2026) Die Stimmung in der „Hölle West“ war mächtig aufgeheizt. Das Derby in der Handball-Nordrheinliga zwischen dem HC Weiden und dem BTB Aachen hatte 600 Zuschauer in die Halle gelockt. Der Fanblock der Heimmannschaft inszenierte eine teuflische Choreo. Und dann brannte zunächst einmal der BTB ein Feuerwerk ab. Aber wie schon in der vergangenen Woche sollte sich das Blatt auf tragische Weise wenden. Am Ende gewann der HC Weiden verdient mit 34:29 (17:14).

BTB sehr konzentriert

Die „Bandits“ aus Aachen legten den besseren Start hin. Die Mannschaft, die an diesem Abend vertretungsweise von Andreas Heckhausen gecoacht wurde, war hochmotiviert, energisch und konzentriert. Das abstiegsbedrohte Team hatte sich allerhand vorgenommen. Die ersten Würfe gingen ins Tor. Tim Schnalle und Joshua-Jeremies Wagner sorgten in der BTB-Offensive für Durchschlagskraft. „Wir haben in den ersten 20 Minuten umsetzen können, was wir uns vorgenommen hatten“, bilanzierte Heckhausen. Mit einer beweglichen Deckung sei es ihnen gelungen, die Räume zu schließen.

Nach einem zwischenzeitlichen 3:3 zogen die Gäste bis zur zehnten Minute auf 7:4 davon. Es war richtig Feuer unter dem Dach, die Spieler auf der Platte boten den Zuschauern spektakuläre Aktionen. Der HC Weiden schien etwas überrumpelt.

„Es war das erwartet emotionale Derby“, sagte Marc Schlingensief, Trainer des HC Weiden, nach der Partie, in der es vor allem für den BTB um sehr viel ging. „Sie haben in der ersten Halbzeit wahnsinnig gut unsere Abwehr auseinandergespielt“, so der Coach der Weidener. Nach einer Viertelstunde lag seine Mannschaft 5:9 hinten. Und in der „Hölle West“ keimte tatsächlich die Vorstellung, dass der BTB heute in Weiden die Überraschung schaffen könnte.

Doch dann erhöhte der BTB die Fehlerquote und die Abwehr der Weidener wurde wesentlich griffiger. HC-Torhüter Tom Keller, der im Laufe des Spiels zu einer überragenden Form fand, hielt in dieser Phase einige wichtige Bälle. Der HC kam wieder zurück. Und dann wurde es erneut bitter für den BTB. In der 20. Minute verlor er den bis dahin stark aufspielenden Joshua-Jeremias Wagner durch Rote Karte, weil dieser gegen Kai Frauenrath ein Bein stehen ließ und ihn an der Ferse traf. Korrekte Entscheidung des Schiedsrichtergespanns.

Noch führte der BTB jedoch mit zwei Toren. Sehr schnell wurde aber deutlich, dass bei den Aachenern im Angriffsspiel nun etwas fehlte. Dass Wagner fehlte. Die Weidener nutzten das Momentum der Überzahl und gingen bald mit 13:12 in Führung.

Den zweiten Tiefschlag erhielt der BTB eine Minute vor der Halbzeitpause, als ihr Torhüter Louis Zaghloul, der das Tor zugunsten eines weiteren Feldspielers verlassen hatte, nach dem Ballverlust seines Teams zurück ins Tor sprintete und bei seinem erfolgreichen Rettungsversuch gegen den Pfosten knallte. Zunächst sah es gar nicht so schlimm aus, Zaghloul ging erneut zur Bank, wo dann aber die Verletzung deutlich wurde. Mit einer großen Fleischwunde musste Zaghloul ins Krankenhaus gebracht und dort mit 13 Stichen genäht werden. Das Spiel war fast eine Viertelstunde unterbrochen. Mit diesem Schock ging es in die Kabine.

Verletzung der Knackpunkt

Die BTBler versuchten in der zweiten Halbzeit alles. Die deutliche Verunsicherung war aber zu spüren. „Die Verletzung war sicher der Knackpunkt im gesamten Spiel“, so Heckhausen später. „Uns hat heute aber auch die personelle Decke gefehlt, um im Rückraum Alternativen zu haben.“

So konnten die Aachener nicht mehr aufholen. Der HC Weiden setzte sich aufgrund der größeren Breite im Kader und den damit verbundenen stärkeren Kraftreserven verdient durch. Nicht zuletzt, weil Tom Keller einige spektakuläre Paraden zeigte und den BTB damit nicht mehr weiter als bis auf drei Tore Vorsprung herankommen ließ.

„Heute konnten sich alle auszeichnen. Jeder hat seinen Job gemacht“, fasste Schlingensief zufrieden zusammen. Das zeigte sich auch in der Tatsache, dass 14 verschiedene Torschützen für den HC trafen.

Für den HC Weiden geht es in den letzten vier Partien noch um das Ziel, Zweiter oder Dritter zu werden. Der BTB muss weiter um den Klassenerhalt zittern. Mut macht Heckhausen, „dass die Mannschaft sich zu keinem Zeitpunkt aufgegeben hat“.

Weidens Torschützen: Stolzenberg (5), Fiedler (4/1), J. Frauenrath (4), K. Frauenrath, Rojko (je 3), Bergerhausen, Deutz, Eissa, Meurer, Wolff (je 2), Scheidtweiler (2/1), Bösel, Debye, Gerke

(Text & Foto: AZ)