5:3 zur Pause. 13:13 am Ende. Ein Spiel, das Fragen hinterlässt

Man hat im Handball schon einiges gesehen – ein 5:3 zur Halbzeit in einem C-Jugend-Spiel gehört trotzdem zu den seltenen Bildern. Dazu wartete mit Borussia Mönchengladbach eine bis dahin ungeschlagene Mannschaft, die neben Tabellenführer Korschenbroich als einziges Team noch ohne Verlustpunkt war. Entsprechend respektvoll und mit einer gewissen Nervosität gingen wir in die Partie – und nahmen Borussia am Ende den ersten Punkt ab.

Unsere Deckung zeigte dabei wahrscheinlich ihre beste Saisonleistung: konsequentes Verschieben, gegenseitiges Helfen und gutes Stellungsspiel ließen den körperlich deutlich größeren Gastgeberinnen kaum klare Möglichkeiten. Nur drei Gegentore in 25 Minuten sind ein starkes Signal. Die Kehrseite: Auch wir fanden gegen eine sehr tief stehende, robuste Deckung nur schwer Lösungen. Am Ende standen 31 nicht erfolgreiche Abschlüsse in unserer Auswertung – viele davon nach intensivem Körperkontakt und damit nicht aus freien oder normalen Wurfsituationen.

Wenn die Regelauslegung zum Spielfaktor wird

Diesen Punkt möchten wir trotz aller Sportlichkeit klar benennen. Die Partie wurde von einer sehr jungen Nachwuchsschiedsrichterin geleitet. Junge Unparteiische sind für unseren Sport unverzichtbar und brauchen Erfahrung. Gleichzeitig müssen Ansetzung und Begleitung zur Intensität eines Spiels passen – gerade im Jugendhandball, in dem der Schutz der Spielerinnen besondere Bedeutung hat.

Über die gesamte Partie wurden körperliche Kontakte sehr großzügig bewertet. Halten, Klammern, seitliches Stoßen, Griffe an Schulter oder Wurfarm und Kontakte von hinten führten häufig nur zu Freiwürfen oder blieben ungeahndet. Nach unserer Einschätzung waren etwa zwölf bis fünfzehn der als Fehlwurf erfassten Abschlüsse Situationen, in denen eine Siebenmeterentscheidung zumindest ernsthaft im Raum stand. Dazu kam aus unserer Sicht zu wenig progressive Bestrafung bei wiederholten oder besonders körperlichen Fouls.

Besonders kritisch waren mindestens zwei, möglicherweise drei Aktionen mit deutlichen Griffen in den Kopf- beziehungsweise Halsbereich. Solche Szenen sind für uns keine normalen Zweikämpfe mehr. Nach unserer Einschätzung hätten sie mindestens eine klare progressive Strafe, in ihrer Ausprägung teilweise auch eine direkte Disqualifikation, nach sich ziehen müssen. Dass selbst Zeitstrafen weitgehend ausblieben, zeigt aus unserer Sicht die Lücke zwischen notwendiger Spielkontrolle und dem Spielerschutz, den wir im Jugendhandball erwarten.

Wir schieben das Unentschieden damit nicht allein der Spielleitung zu. Bei einer konsequenteren Linie hätte möglicherweise auch unsere Deckung zusätzliche Strafen hinnehmen müssen. Trotzdem hatte die Regelauslegung erheblichen Einfluss auf den Spielverlauf und auf dieses außergewöhnlich niedrige Ergebnis – in vielen entscheidenden Situationen aus unserer Sicht zu unserem Nachteil.

Vom 10:5 zum 10:12 – und noch einmal zurück

Nach einer deutlichen Halbzeitansprache verstanden unsere Mädels, dass bei einem solchen Spielstand jede Aktion zählt. Aus dem 5:3 wurde über 7:4 und 9:4 ein 10:5. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Partie im Griff.

Dann kippte sie. Mönchengladbach erzielte sieben Treffer in Folge und machte aus unserer Führung einen 10:12-Rückstand. Neben eigener Nervosität spielte auch die zuvor beschriebene Linie eine Rolle: Nach harten Kontakten fehlte uns vorne häufig die erwartete Entscheidung – und wer nach einem Foul zu Boden geht, ist im Gegenstoß nicht sofort wieder in der Rückwärtsbewegung.

Entscheidend war unsere Reaktion. Nach einer Auszeit kämpfte sich die Mannschaft zurück: Julia Otten verkürzte auf 11:12, Lisa Vonhoegen glich zum 12:12 aus und antwortete nach dem erneuten Rückstand Sekunden später mit dem 13:13. Im letzten eigenen Angriff wurde nach einer intensiven Eins-gegen-eins-Situation im Torraum auf Kreis gegen uns entschieden; eine letzte klare Torchance bekamen wir damit nicht mehr. Auch Mönchengladbach nutzte den letzten Ballbesitz nicht – Schluss, 13:13.

Was bleibt

Nach einem zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Vorsprung fühlte sich dieses Unentschieden wie ein verlorener Punkt an. Gleichzeitig bleiben 13 Gegentore in 50 Minuten unsere bislang stärkste Defensivleistung – und die Mannschaft zeigte nach dem 10:12 erneut große Moral.

Offensiv bleibt Arbeit: 31 nicht erfolgreiche Abschlüsse sind unabhängig von den Begleitumständen zu viel. Trotzdem ist unsere sportliche Einschätzung klar: Von der Spielanlage, der technischen Qualität und unserem spielerischen Ansatz haben wir über weite Strecken den besseren Handball gezeigt. Die Spielerinnen spürten selbst, dass dieses Spiel zu gewinnen war – genau deshalb war die Enttäuschung so groß. Zugleich haben wir einer bis dahin verlustpunktfreien Mannschaft den ersten Punkt abgenommen und gezeigt, dass wir spielerisch mit den Teams im oberen Bereich mithalten können.

Torschützinnen: Julia Otten 4, Emilie Sommer 4, Rosalie Michalski 2, Lisa Vonhoegen 2, Greta Gohr 1.